header 1

Zuviel Vitamine und Überdosierung

Als Hypervitaminose (Vitamin-Überversorgung bzw. Überdosierung) werden jene Erscheinungen zusammengefasst, die bei übermäßiger Zufuhr der entsprechenden Vitamine, beispielsweise über die Ernährung, in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitaminpräparaten, aber auch bei parenteraler Gabe, auftreten können.

Überdosierungserscheinungen treten wesentlich eher bei den fettlöslichen Vitaminen (insbesondere bei den Vitaminen A und D) auf, da diese nicht wie die wasserlöslichen Vitamine über die Niere ausgeschieden werden können. Eine Überdosierung kann daher akut durch eine 50-100 fache Tagesdosis erfolgen, oder chronisch durch langfristige Einnahme nur geringfügig überhöhter Dosen (Vitamin A ab etwa 5 facher Tagesdosis). Eine ernährungsbedingte Hypervitaminose kann praktisch nur durch Vitamin A aus Leber oder Lebertran auftreten.

Ein Vitaminmangel wird mit Hypovitaminose und ein Fehlen von Vitaminen mit Avitaminose bezeichnet.

Vitamin A Überdosierung

Historisches

Der erste dokumentierte Todesfall in Folge Hypervitaminosis A (Vitamin-A-Überdosierung) dürfte Xavier Mertz, ein Schweizer Polarforscher, der an Douglas Mawsons Antarktisexpedition teilnahm, gewesen sein. Aus Mangel an anderen Vorräten ernährte sich dieser von geschlachteten Grönlandhunden, durch den Verzehr derer Leber vergiftete sich Mertz.

Prähistorisches

Kamoya Kimeu entdeckte am Turkana-See in Afrika das weibliche Skelett eines Homo erectus, welches für Hypervitaminose A typischen Formen von Knochenmissbildungen aufwies. Dies war der erste Beweis, dass Homo erectus ein Fleischfresser war, da man diese Form der Krankheit nur durch den dauerhaften Verzehr der Leber von Fleischfressern bekommt.

Akute Vergiftungserscheinungen

Akute Vergiftungserscheinungen durch Vitamin-A-Überdosierung wurden erstmalig bei Polarforschungsreisenden festgestellt, die Eisbärenleber gegessen hatten - Inuit essen diese nicht. Bei einer kurzzeitigen und hohen Überdosierung (das Hundertfache des Tagesbedarfs und mehr) können folgende Symptome auftreten:

-  Kopfschmerzen
-  Übelkeit
-  Erbrechen
-  Schwindel
-  Appetitlosigkeit
-  Muskelkoordinationsstörungen
-  Doppelbilder
-  Schleimhautblutungen
-  Lethargie
-  gesteigerter intrakranieller Druck bis hin zu Todesfällen

Chronische Vergiftungserscheinungen

Nach monate- und jahrelanger erhöhter Retinolaufnahme (Vitamin A), die den Tagesbedarf wesentlich überschreitet, können Vergiftungerscheinungen auftreten. Ein Grenzwert, ab der eine Gefährdung besteht, ist dabei schwer zu definieren: Da sich das Vitamin im Körper anreichert, kommt es auf die akkumulierte Menge (Einnahmedauer x Menge) und die körperliche Veranlagung an. Dies sollte auch beim Einsatz von Retinoiden bei der Aknetherapie bedacht werden. Folgende Symptome sind möglich:

-  Kopfschmerzen
-  Haarausfall bis zur Alopezie
-  Schwellung der Unterhaut der Gliedmaßen
-  Knochen- und Gelenkschmerzen
-  trockene und juckende Kopfhaut wie auch der gesamten übrigen Haut
-  trockene und schuppige Lippen
-  Mundwinkelrhagaden (blutend)
-  Lebervergrößerung bis hin zur Leberfibrose mit portaler Hypertension
-  Lymphknotenvergrößerungen
-  Hyperkalzämie
-  Hyperlipidämie
-  Ausbleiben der Menstruation
-  gesteigerter intrakranieller Druck
-  Symptome einer Hypothyreose
-  vermutlich langfristig höheres Lungenkrebs-Risiko bei Rauchern

In der Schwangerschaft sollte die tägliche Aufnahme von Vitamin A 10.000 IU bzw. 3mg pro Tag nicht überschreiten, da es ansonsten zu kindlichen Fehlbildungen wie kraniofacialen Abnormitäten oder Herzklappenfehlern kommen kann, allerdings auch spontane Fehlgeburten möglich sind.

Der Vitamin-A-Säureabkömmling Isotretinoin (13-cis-Retinsäure), der zur Behandlung schwerer Akneformen eingesetzt wird, kann eine Trockenheit von Haut und Schleimhäuten, in seltenen Fällen Gelenk- und Muskelbeschwerden verursachen. Die Wirkung der Trockenheit wird aber durch die Behandlung auch erwünscht, da sie zu einem Schälvorgang führt, welches die Haut dünner macht und Akne zum Verschwinden bringt. Da aber die gesamte Haut und Schleimhäute betroffen sind, wird es meist als unerwünschte Nebenwirkung interpretiert. V.a. aber wurde ein Zusammenhang mit kindlichen Fehlbildungen hergestellt, sodass bei einer derartigen Behandlung für einen ausreichenden Empfängnisschutz auch für eine gewisse Zeit über das Behandlungsende hinaus gesorgt werden muss. Bei schwangeren Frauen ist die Gabe kontraindiziert.

Eine Hypervitaminose A kann nur bei Zufuhr von Retinol, nicht aber seiner Vorläuferprodukte auftreten - die Umwandlung der Carotinoide zu Retinol wird entsprechend dem Bedarf des Körpers reguliert. Wohl aber kann es zu einer starken Gelbfärbung der Haut - nicht aber der Skleren - kommen, wenn täglich mehr als 30 mg Beta-Karotinen zugeführt werden, wobei Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion besonders anfällig sind.

Quellen

Carotin (Provitamin-A) als chemische Vorstufe von Vitamin-A ist in Bräunungskapseln enthalten, die bei übermäßigem Konsum angeblich Haarausfall hervorrufen können.

Retinol ist vor allem in der Leber von bestimmten Meeresfischen wie dem Heilbutt und verschiedenen Haifischarten sowie bestimmter Säugetiere wie der Seerobbe und dem Eisbären enthalten. In unseren Breiten ist es vor Allem die kritiklose Einnahme von Vitaminpräparaten, die zu Nebenwirkungen führen kann.

Studien

Eine zu hohe Zufuhr von Vitamin A könnte zu vermehrten Knochenbrüchen im Alter führen, wie eine schwedische Langzeitstudie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, zeigt.

Vitamin B3 Überdosierung

Bei einer Zufuhr von >500 mg Vitamin B3 pro Tag kommt es zum hautgefäßerweiternden Effekt Flush und bei einer Menge von >2500 mg/Tag kann der Blutdruck sinken, Schwindelgefühle auftreten und ein erhöhter Harnsäuregehalt im Blut auftreten.

 

| weiterlesen |