Vitamin B3 (Nicotinsäure)
Vitamin B3 ist ein Vitamin aus dem Vitamin-B-Komplex. Die Bezeichnungen Vitamin B3, seltener Vitamin B5 oder PP-Faktor (Pellagra-Preventing-Faktor) für Vitamin B3 (Nicotinsäure) gelten heute als veraltet und überholt. Das Synonym Niacin bezieht sich dabei sowohl auf die Nicotinsäure selbst als auch auf ihr Aminderivat Nicotinamid. Die Nicotinsäure wurde 1936 entdeckt.
Beschreibung des Vitamin B3
Vitamin B3 ist eine Carbonsäure des Pyridins. Vitamin B3 (Nicotinsäure) findet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Vitamin B3 bildet einen wichtigen Baustein verschiedener Coenzyme und ist von zentraler Bedeutung für den Stoffwechsel von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Gegenüber Hitze, Licht und dem Luftsauerstoff ist Vitamin B3 weniger empfindlich als andere Vitamine der B-Gruppe.
Aufgabe und Funktionen des Vitamin B3
Vitamin B3 ist am Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt. In Form der Coenzyme NAD/NADP und ihrer reduzierten Formen NADH/NADPH, der sogenannten Reduktionsäquivalente, ist das Vitamin B3 z.B. am Citratzyklus und der Atmungskette beteiligt. Vitamin B3 hat eine antioxidative Wirkung und nimmt an vielen enzymatischen Vorgängen teil. Vitamin B3 ist wichtig für die Regeneration der Haut, Muskeln, Nerven und DNA.
Vitamin B3 Vorkommen und Bedarf
Natürliche Lieferanten von Vitamin B3 sind Nahrungsmittel wie Geflügel, Wild, Fisch, Pilze, Milchprodukte und Eier. Auch Leber, Kaffee, Vollkornprodukte, verschiedene Gemüse und Obst enthalten Vitamin B3, wobei es aus tierischen Produkten grundsätzlich besser vom Organismus verwertet wird. Veganer können ihren Vitamin-B3-Bedarf beispielsweise aus Erdnüssen, Weizenkleie, Datteln, Champignons, Bierhefe, getrockneten Aprikosen und Hülsenfrüchten decken.
Der tägliche Vitamin-B3-Bedarf des Körpers hängt vom Energiebedarf ab. Im Durchschnitt benötigt der erwachsene Körper etwa 6,6 Milligramm Niacin um eine Energiemenge von 1000 Kilokalorien für seine Zellen, Gewebe und Organe zu erzeugen. Damit beträgt der Bedarf für Frauen 13 bis 15 mg Vitamin B3 pro Tag. Für Männer 15 bis 20 mg pro Tag. Da Vitamin B3 aus Tryptophan gebildet werden kann, wird der Bedarf in Niacin-Äquivalenten angegeben. Aus 60 mg Tryptophan kann in der Leber mit einer ausreichenden Menge Vitamin B6 ein Gramm Vitamin B3 hergestellt werden.
Vitamin B3 Biosynthese
Die Biosynthese der Vitamin B3 erfolgt auf zwei Wegen. Einerseits kann Glycerinaldehydphosphat mit Asparaginsäure über einen Schritt zu Vitamin B3 umgewandelt werden, andererseits wird Tryptophan über Kynurenin zu Vitamin B3 oxidiert.
Vitamin B3 Mangelerscheinungen (Hypovitaminose)
Vtamin-B3-Mangelsymptome treten selten auf, da der Körper Vitamin B3 auch aus der Aminosäure Tryptophan bilden kann. Durch eine eiweißarme Ernährung oder durch Absorptionsstörungen kann es zunächst zu unspezifischen Störungen wie Appetitlosigkeit, Konzentrations-und Schlafstörungen sowie einer gewissen Reizbarkeit kommen. Symptome bei Vitamin-B3-Mangel sind weiterhin:
- Hautveränderungen Dermatitis
- Durchfall
- Depressionen
- Entzündung der Mund- und Magen-Darmschleimhäute
- Krankheit: Pellagra
Das Auftreten der Pellagra-Krankheit steht im Zusammenhang mit der Einführung des Mais außerhalb Mittelamerikas. In seinem Ursprungsland Mexiko wird der Mais bis heute nach der Ernte üblicherweise in alkalisches Kalkwasser gelegt und nass vermahlen, wodurch das Vitamin B3 im Mais erst freigesetzt wird. Von den spanischen Eroberen wurde der Mais nach Südeuropa, Nordamerika und Afrika gebracht, ohne diese Zubereitungstechnik zu übernehmen. Wegen der höheren Erträge stellten sich viele Bauern schon bald von Weizen und Gerste auf Mais um. Die Folge war, dass bei ganzen Bevölkerungsschichten, bei denen Mais als Hauptnahrungsquelle galt, Vitamin-B3-Mangelerscheinungen auftraten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Zusammenhang von Pellagra und Maisernährung aufgeklärt.
Vitamin B3 Überdosierung (Hypervitaminose)
Von einer Vitamin-B3-Überdosierung spricht man bei Vitamin B3 bei 1,5 bis 3 g Dosierung pro Tag. Bei einer Zufuhr von über 500 mg Vitamin B3 pro Tag, in Einzelfällen auch weniger, kommt es zum hautgefäßerweiternden Effekt Flush und bei einer Menge von über 2500 mg Vitamin B3 pro Tag können Blutdrucksinken, Schwindelgefühle und ein erhöhter Harnsäuregehalt im Blut auftreten.
Vitamin B3 als Medikament
Vitamin B3 wird zur Absenkung erhöhter Blutfettwerte eingesetzt, um der Arteriosklerose vorzubeugen. Dabei senkt Vitamin B3 in einer Dosis von 500 bis 1000 mg/Tag den LDL-Wert des Cholesterins. Vitamin B3 erhöht den HDL-Wert und erniedrigt die Triglyzeride. Die Gabe von Vitamin B3 wurde bisher durch seine Nebenwirkungen (Flush-Syndrom) begrenzt. Häufig treten auch Magen-Darm-Beschwerden auf. Die längere Einnahme von hochdosierten Vitamin-B3-Präparaten kann die Glucosetoleranz verschlechtern und die Harnsäurewerte im Blut erhöhen. Durch eine retardierte Form und eine abendliche Einnahme ist ein Vitamin-B3-Medikament besser verträglich geworden. Eine große Studie, die einen lebensverlängernden Effekt von Vitamin B3 beweist, steht allerdings noch aus.
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